Leitfaden

Arbeitszeugnis Schweiz: Codes verstehen & einfordern

Wie du verschlüsselte Formulierungen entschlüsselst und dein Recht auf ein vollständiges Zeugnis kennst.

Was steht dir gesetzlich zu?

In der Schweiz regelt Art. 330a OR deinen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Grundsätzlich hast du die Wahl zwischen zwei Formen:

  • Vollzeugnis (qualifiziertes Zeugnis): Tätigkeiten, Leistung und Verhalten. Standard bei einem regulären Austritt.
  • Arbeitsbestätigung (einfaches Zeugnis): Nur Dauer und Art des Anstellungsverhältnisses – ohne Bewertung.

Der Anspruch verjährt erst nach zehn Jahren. Du kannst also auch Jahre später noch ein Zeugnis oder eine Korrektur verlangen.

Die zwei Grundprinzipien

Wahrheit

Alles im Zeugnis muss der Wahrheit entsprechen – auch Kritik.

Wohlwollen

Die Formulierung darf dein berufliches Fortkommen nicht unnötig erschweren.

Aus diesem Spannungsfeld ist die berüchtigte Zeugnissprache entstanden: Kritik wird nicht offen benannt, sondern in scheinbar wohlwollende Formulierungen verpackt.

Häufige Codes und was sie bedeuten

Diese Formulierungen entsprechen ungefähren Schulnoten (1 = sehr gut, 6 = ungenügend):

FormulierungBedeutung
„… stets zu unserer vollsten Zufriedenheit"Sehr gut (Note 1)
„… stets zu unserer vollen Zufriedenheit"Gut (Note 2)
„… zu unserer vollen Zufriedenheit"Befriedigend (Note 3)
„… zu unserer Zufriedenheit"Genügend (Note 4)
„… im Grossen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit"Ungenügend (Note 5)
„… bemüht, die Aufgaben zu erfüllen"Klare Kritik

Warnzeichen im Verhalten

  • „… trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei" – kann auf Alkohol- oder Geselligkeitsprobleme hinweisen.
  • „… zeigte für seine Arbeit Verständnis" – deutet auf mangelnde Umsetzung hin.
  • Fehlende Schlussformel („Wir danken … und wünschen …") gilt als negatives Signal.

Vollzeugnis oder Arbeitsbestätigung?

Ein Vollzeugnis ist die Regel und für spätere Bewerbungen wertvoller. Eine reine Arbeitsbestätigung ist nur dann sinnvoll, wenn du eine kritische Beurteilung befürchtest – Personalabteilungen wissen aber, dass eine Arbeitsbestätigung ohne Bewertung meistens ein Warnsignal ist.

So gehst du bei einem schlechten Zeugnis vor

  1. Bitte schriftlich um eine Änderung und begründe konkret, welche Formulierungen unpassend sind.
  2. Kommt keine Einigung zustande, kannst du die Schlichtungsstelle deines Kantons einschalten.
  3. Als letzten Schritt kannst du dein Recht vor dem Arbeitsgericht einklagen – die Beweislast für negative Bewertungen liegt beim Arbeitgeber.

Unsicher, wie dein Zeugnis wirkt?

Ich prüfe dein Arbeitszeugnis und sage dir, welche Formulierungen für Personalverantwortliche Alarmzeichen sind. Buche eine Bewerbungsberatung und schick mir dein Zeugnis mit.

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